Du betrachtest gerade Wenn die Angst übernimmt – Ein psychologischer Blick auf Ängste und Panikattacken

Wenn die Angst übernimmt – Ein psychologischer Blick auf Ängste und Panikattacken

  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kategorie:Blog
  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare
  • Beitrag zuletzt geändert am:12. Oktober 2025
  • Lesedauer:3 Min. Lesezeit

Angst ist ein grundlegendes menschliches Gefühl. Sie schützt uns, warnt uns vor Gefahren und mobilisiert Kräfte, wenn wir schnell handeln müssen. Aus psychologischer Sicht ist Angst daher keineswegs negativ, sondern eine wichtige Überlebensfunktion. Problematisch wird sie jedoch dann, wenn sie übermächtig wird, wenn sie sich verselbstständigt oder in Situationen auftritt, die objektiv keine Bedrohung darstellen. Besonders eindrücklich zeigt sich das bei Panikattacken – plötzlichen, intensiven Angstanfällen, die scheinbar aus dem Nichts auftreten und Betroffene in einen Zustand absoluter Hilflosigkeit versetzen.

Die körperlichen Symptome einer Panikattacke sind massiv: Herzrasen, Atemnot, Zittern, Schwindel, Engegefühl in der Brust, Hitzewallungen oder Kälteschauer. Viele Menschen glauben in diesem Moment, einen Herzinfarkt zu erleiden oder die Kontrolle über sich zu verlieren. Doch körperlich ist selten eine Ursache zu finden – die Wurzel liegt in der Psyche, genauer gesagt in einem überaktiven Alarmsystem. Das Gehirn meldet „Gefahr“, obwohl keine reale Bedrohung vorliegt. Die Amygdala, ein Teil des limbischen Systems, feuert Alarmimpulse, und der Körper reagiert mit dem vollen Programm der Stressreaktion.

Auslöser für Ängste und Panikattacken sind vielfältig und individuell. Oft lassen sie sich jedoch auf bestimmte psychologische Muster zurückführen. Ein zentraler Faktor ist die Unsicherheit – sowohl im äußeren Leben als auch im inneren Erleben. Wer Angst hat, hat meist das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Das kann durch konkrete Lebenssituationen wie Trennungen, Überlastung oder Krankheit ausgelöst werden. Aber auch unbewusste innere Konflikte, belastende Kindheitserfahrungen oder das ständige Bemühen, stark und fehlerlos zu sein, können die Angst bereiten.

Hinzu kommt ein Mechanismus, der in der Psychologie als „Angst vor der Angst“ bezeichnet wird. Nach einer ersten Panikattacke entsteht häufig die Sorge, dass sie jederzeit wieder auftreten könnte. Betroffene beginnen, ihren Körper permanent zu beobachten, reagieren sensibel auf jede kleine Veränderung – ein schneller Herzschlag, ein flacher Atem – und interpretieren diese Signale als bedrohlich. Diese Selbstbeobachtung erhöht die Anspannung und kann tatsächlich erneut eine Panikreaktion auslösen. So entsteht ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt.

Ein weiterer zentraler Punkt ist der Umgang mit Emotionen. Viele Menschen, die unter Angstzuständen leiden, haben Schwierigkeiten, Gefühle wie Wut, Trauer oder Überforderung zuzulassen. Stattdessen werden diese Emotionen verdrängt, unterdrückt oder rationalisiert. Doch was psychisch keinen Raum bekommt, sucht sich oft einen anderen Weg – und äußert sich über den Körper. Panikattacken können in diesem Sinne auch als ein „Aufschrei“ des Nervensystems verstanden werden: ein Ausdruck für ein inneres Ungleichgewicht, das gesehen und verstanden werden will.

Der Weg aus der Angst beginnt daher meist nicht mit der Flucht vor ihr, sondern mit der Hinwendung. Zu verstehen, woher die Angst kommt, welche Gedanken sie begleiten und welche Erfahrungen ihr zugrunde liegen, ist ein zentraler Schritt zur Heilung. Angst will nicht vernichtet, sondern ernst genommen werden. Sie zeigt, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist – und kann, wenn sie verstanden wird, der Beginn einer tieferen Verbindung zu sich selbst sein.

Schreibe einen Kommentar