Sucht ist ein Begriff, der in der öffentlichen Wahrnehmung oft mit extremen Formen von Abhängigkeit verknüpft wird, doch psychologisch betrachtet beginnt sie weit früher und subtiler. Sie wurzelt in inneren Spannungszuständen, ungelösten Konflikten oder Bedürfnissen, die nicht auf gesunde Weise befriedigt werden. Wenn der Mensch etwas findet, das kurzfristig Erleichterung verschafft – eine Substanz, ein Verhalten oder sogar eine bestimmte Situation –, entsteht ein Lernprozess, der das Gehirn darauf konditioniert, dieses Mittel immer wieder zu suchen. Die Entlastung wird zu einem verführerischen Versprechen, und obwohl das Gewählte selten langfristige Zufriedenheit bringt, etabliert sich ein Muster, das schwer zu durchbrechen ist. Sucht ist in diesem Verständnis nicht nur ein extremes Fehlverhalten, sondern ein psychologischer Mechanismus, der sich aus dem Zusammenspiel von Emotionen, Erwartungen und neurobiologischen Prozessen bildet.